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The Moment Of Silence

Das deutsche Entwicklerstudio House Of Tales, bekannt geworden durch das Erstprojekt namens „Das Geheimnis Der Druiden“, hat in den letzten Jahren an einem neuen Adventure namens „The Moment Of Silence“ gearbeitet, welches bereits im Vorfeld für viel Aufregung sorgte. Laut Publisher dtp (Label: Shoebox) ist es das ambitionierteste Adventureprojekt, welches je in deutschen Landen entstanden ist und auch wir waren seit der Erstpräsentation auf der Games Convention 2003 schwer beeindruckt, was ihr sicherlich bereits von unseren First Facts zum Titel entnehmen konntet. Auf der diesjährigen Games Convention in Leipzig machte „The Moment Of Silence“ bereits einen sehr fertigen Eindruck und nun brachte uns die Post die Verkaufsversion in unsere Redaktion. Wie das Adventure mit Elementen eines Spionage-Thrillers letztendlich geworden ist, erfahrt ihr nun bei uns im Test.

Die Verschwörung hat bereits begonnen - Der Widerstand beginnt jetzt
Die erste der vielen filmreifen vorgerenderten Videosequenzen (insgesamt 30 Minuten) führt euch in die Storyline von „The Moment Of Silence“ ein. Die Welt ist ein einziger Überwachungsstaat, verrückte Gurus predigen den Untergang und stellen Verschwörungstheorien auf und noch nie gab es derartige Probleme mit Gangs und Prostetuierten in Abrissvierteln oder mit Terroristen, die fast schon tagtäglich Bomben werfen. Ihr übernehmt die Rolle von Kommunikationsdesigner Peter Wright, der seit kurzer Zeit im Stadtteil Brooklyn von New York im Jahre 2044 wohnt. Peter ist ein gutes Beispiel für die Probleme der Menschheit in dieser Zeit, denn er hat sein Leben schon so gut wie aufgegeben: Er hat Frau und Kind durch einen Flugzeugabsturz verloren und lebt seitdem ohne ein wirkliches Lebensziel zurückgezogen und alleine in seiner neuen Wohnung. Erst als an einem Abend ein Sondereinsatzkommando die Wohnung seiner Nachbarfamilie stürmt und den Vater, einen Online-Journalisten, ohne Angabe von Gründen verhaftet, beginnt Peter, sich mit der Aufklärung dieses Falles zu beschäftigen. Von nun an seid ihr im Spiel und macht euch mit „nichts“ auf die Suche nach des Rätsels Lösung. Dabei führen euch eure Recherchen an mysteriöse Orte wie die Orbitstation „Lunar 5“, an Plattformen im „Bermuda-Dreieck“ oder auch in die von Obdachlosen bewohnte Unterwelt des ehemaligen New Yorker U-Bahn-Systems. Die Lage wird immer verzwickter und viele Wendungen bescheren ein einmaliges Spielerlebnis - Es liegt an euch, endlich die Verschwörung aufzuklären.
Interessant ist, dass die Entwickler als faktischen Hintergrund der Storyline das „echte“ Abhörprojekt „Echelon“ verwendet haben. Technologien wurden weitergedacht, um ein möglichst reeles Zukunftsszenario zu erschaffen, wobei ihr „The Moment Of Silence“ ebenfalls zu den sozialkritischsten Spielen aller Zeiten zählen könnt.

Ein Mann für die Menschheit
Nach der Introsequenz werdet ihr zunächst einmal mit dem Umfeld von Peter Wright vertraut gemacht und erlernt mit einfachen Rätseln und Aufgaben die Steuerung und den generellen Verlauf des Spiels. An sich ist „The Moment Of Silence“ ein klassisches Point & Click-Adventure, was aber nicht weiter stört. Viel mehr sind es die teils falsch angelegten Kamerapositionen, die zu wildem „Geklicke“ führen können. So werdet ihr meist verzweifelt durch die Gegend laufen, bis der Charakter letztendlich den gewünschten Punkt erreicht hat. Setzen sich die Rätsel am Anfang noch aus dem Suchen oder Vermischen einfacher Gegenstände zusammen, sind sie im späteren Spielverlauf desöfteren mit langen Laufwegen verbunden, die teilweise nach folgendem nervigen Schema verlaufen: „Hole Gegenstand A von Punkt B und bringe ihn zu Punkt C.“, allerdings geht dies gar nicht so einfach, da ihr bei so etwas beispielsweise erst einmal Gegenstand D einsammeln müsst, um zu Punkt C zu kommen oder mit Person X reden müsst, um Punkt C überhaupt zu kennen. Dennoch sind sie immer recht abwechslungsreich und mit ein wenig Geschick, Geduld und menschlichen Verstand zu lösen. Neben solch „klassischen“ Rätseln erwartet euch übrigens ebenfalls ein wenig feine „Logikkost“, wie sie bereits aus der „Myst“-Reihe bekannt ist. Klappt es dann doch einmal nicht, habt ihr immernoch die Möglichkeit die integrierte Hilfefunktion im Spiel zu benutzen oder das gut gemachte Internetforum zu besuchen. Eine nette und innovative Erfahrung ist auch der Messenger, der sich im Spielverlauf als wichtiges Gameplayelement herausstellt. Ihr solltet allerdings nie vergessen abzuspeichern, da euer Held auch an einigen Stellen ums Leben kommen kann und ihr dann wieder zum letzten gespeicherten Punkt gebracht werdet. Dies kann euch unter anderem durch unglückliche Aktionen in den Eisszenarien oder Abrissvierteln passieren.

Spielspaß ohne Hürden
Die eben erwähnte Steuerung ist bis auf die ebenfalls genannten (Fehl-)Kamerapositionen einfach und gewohnt gehalten, da ihr das gesamte Spiel Point & Click-typisch mit der Maus steuert. Je nach Gegenstand oder Interaktionsmöglichkeit verändert sich dann der Mauszeiger und ihr könnt Peter den gewünschten Befehl durchführen lassen. So macht ihr euch also auf den Weg, sammelt wichtige der hunderten Gegenstände und sprecht außerdem mit den über 35 NPC’s (Non-Playing-Characters), die gemeinsam mit euch über acht Stunden professionelle Sprachausgabe parat haben. Interessant ist, dass ihr die Dialoge und somit auch den weiteren Spielverlauf teilweise beeinflussen könnt, indem ihr eine positive oder eben negative Antwort gebt. Faustregel Nummer eins bleibt aber das Reden, denn ohne viele „Schwätzchen“ werdet ihr auch bei „The Moment Of Silence“ nicht sehr weit kommen. Die Multiple-Choice-Dialoge sind neben den Filmsequenzen das A und O des Spiels - Ohne sie wird die Storyline und somit auch der Spielverlauf unverständlich und kann gegebenfalls gar nicht fortgeführt werden.
Als fehlend für das gelungene und spannende, aber dennoch non-violente Gameplay erweist sich vor allem eine Art Logbuch. Längere Spielpausen sind also tabu, außer ihr führt eure eigenen Notizen oder habt ein verdammt gutes Gedächtnis.
Wie bereits erwähnt, kommt ihr bei „The Moment Of Silence“ an die verschiedensten Orte, die im Zusammenhang sicherlich 30-50 Stunden spannenden Spielspaß für die durchschnittlichen Spieler unter euch bieten. Insgesamt 75 verschiedene und hübsch gestaltete Locations mit mehr als 500 von unterschiedlichen Räumen/Passagen brennen nur darauf, von euch erforscht und betrachtet zu werden.

Das neue Flagschiff ist geboren
Die Technik von „The Moment Of Silence“ könnt ihr durchaus als „das neue Flagschiff im Adventure-Genre“ bezeichnen. Es ist einfach schön anzusehen, mit wie viel Liebe zum Detail und wie abwechslungsreich die Entwickler die einzelnen Locations gestaltet haben. Mit eingeschalteter Kantenglättung sieht das ganze gleich noch eine „Scheibe“ besser aus, auch wenn die Textur schon von Haus aus wunderbar gelungen sind. Von House Of Tales selbst wird das Grafikgerüst als „Zweieinhalb-D“ (eine Mischung aus 2D- und 3D-Elementen) bezeichnet, was sich interessant bemerkbar macht: Während die Hintergründe vorgerendert sind, werden Charaktere und Effekte, die zum Beispiel durch Wetter oder Lichteinfluss entstehen, in Echtzeit berechnet. Dadurch entsteht ein harmonisches Gesamtbild, welches so real wie nie zuvor in einem Adventure wirkt. Hier und da tummeln sich NPC’s, Bäume neigen sich im Wind und Regentropfen prasseln auf den Boden von New York City. Gut gemacht sind vor allem auch die Übergangsphasen zwischen Videosequenzen und Spiel, da ihr so gut wie gar nicht bemerkt, ob sich Peter gerade in einer solchen 3D-Sequenz oder in der „normalen“ Spielwelt befindet, da der Verlauf wirklich flüssig gestaltet ist. Kurz und knapp: Die Grafik ist einfach spitze. Einziger Wehmutstropfen sind hier die eher trägen Animationen und die nicht ganz gelungenen Charaktermodelle, welche einfach nicht in die ansonsten so hübsche Spielwelt passen wollen.
Auch der Sound ist typisch gelungen für „Adventure-Publisher“ dtp: Wie schon erwähnt erwarten euch über acht Stunden professionelle und fast lippensynchrone Sprachausgabe, die die vielen Multiple-Choice-Dialoge begleiten. So haben den Hauptcharakteren Peter und Deborah beispielsweise die deutschen Synchronstimmen von Bruce Willis und Julia Roberts Paroli gestanden. Auch der flotte, aber nicht zu aufdringliche Soundtrack unterstützt die spannende Atmosphäre bestens und rundet das Gesamterlebnis gut ab.

Pro
- Filmreife Story mit realem Hintergrund
- Packende Atmosphäre
- Gelungener Einstieg
- Hoher Suchtfaktor
- Vielzahl an innovativen Ideen
- 30 bis 50 Stunden Spielspaß für durchschnittliche Spieler
- Mehr als 35 gut gemachte Charaktere, die direkten Bezug auf die Story haben
- Tolle Wetter-, Spiegel- und Partikeleffekte
- 75 liebevoll gestaltete Locations mit über 500 interaktiven „Screens“
- Harmonierende Mischung aus 2D und 3D
- Über 30 Minuten hübsche Filmsequenzen
- Professionelle Sprachausgabe, die die Multiple-Choice-Dialoge begleitet
- Flotter Soundtrack
- Zum Nachdenken anregende Sozialkritik

Contra
- Teils schlechte Kamerapositionierung
- Oft lange Laufwege
- Etwas zu viel „Gerede“
- Fehlendes Logbuch
- Wenige sterile Umgebungen
- Eher träge Animationen
- Kleinere Bugs
- Nerviges StarForce-Kopierschutzsystem
- Recht hohe Hardwareanforderungen für ein Adventure

Fazit
“The Moment Of Silence“ begeistert: Es ist ganz klar das beste Adventure der letzten Jahre und wird dem von Anfang an gesteckten Ruf gerecht. Selten haben wir in einem Spiel eine derart dichte Atmosphäre erlebt und die filmreife Story regt gemeinsam mit der Sozialkritik wirklich zum Nachdenken an. Hier ist es umso trauriger, dass die Entwickler dem Spiel durch Kleinigkeiten wie zum Beispiel falsche Kamerapositionierungen, wenige Bugs oder zu lange Laufwege einen „Dämpfer“ verpasst haben. Was wäre nur daraus geworden: Ein Spionage-Thriller der Extraklasse mit Spitzentechnik und tollem Gameplay. Leider ist es nicht ganz so viel, weshalb „The Moment Of Silence“ auch haarscharf unseren TopGame-Award verpasst hat. Dennoch: Unsere Empfehlung geht an alle SciFi- und Adventure-Fans unter euch - Selbst diejenigen, die sich bisher noch nicht an dieses Genre herangewagt haben, sollten den Titel aufgrund des gelungenen Einstiegs und der genialen Atmosphäre zumindest anspielen. Die Verantwortlichen haben seit Entwicklungsstart und den ersten Präsentationen wirklich nicht zu viel versprochen.

AUTOR: Carsten 09.10.2004, 22:47h

SCREENSHOTS


WERTUNG & WEITERE INFORMATIONEN

                            

Entwickler

Vertrieb

Sprache

Preis

Medium

USK

Einkaufen

Testsystem

House Of Tales

dtp

Deutsch

44,99€

1 DVD

-

P4 1,8
Radeon 9800
768 MB RAM

GRAFIK:

 91%


SOUND:

 89%


GAMEPLAY:

 88%


GESAMT:

 89%

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