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Nun ist es soweit: „Spellforce: The Order Of Dawn“ vom Entwickler-Team Phenomic rund um den „Siedler“-Erfinder Volker Wertich ist da und alle Welt richtet sich auf die deutsche Hoffnung 2003. „Vorhang auf“, dachten sich die Publisher Big Ben und JoWood, denn der andere Knaller „Far Cry“ wurde auf 2004 verschoben. Außerdem soll „Spellforce“ das bieten, was „Knight Shift“ ein wenig verpasst hat: Die Gründung eines neuen Genres, des RPS (Role-Playing Strategy), den perfekten Mix aus Echtzeitstrategie und Rollenspiel. Ob das Spiel letztendlich das Potenzial zum Spiel des Jahres 2003 hat oder ob es alles nur eine hypnotisierende Marketing-Kampagne war, erfahrt ihr nur bei uns im Test.
„Das kenn ich doch!?“ Eingeführt durch das sehr hübsche Render-Intro, werdet ihr sofort feststellen, dass die Story in „Spellforce“ leider keinesfalls innovativ ist. Es ist schon erstaunlich, wie stark die Geschichte selbst bei genauerem Hinsehen an „Der Herr Der Ringe“ und weitere Spiele/Filme erinnert. Es geht um viele, mächtige Zauberer, die das Land in Angst und Schrecken versetzten. Ganze Erdteile wurden zerstört und somit in viele kleine „Inseln“ aufgeteilt, die bis heute mit Hilfe von magischen Portalen verbunden sind. Die 6 Rassen in „Spellforce“ teilten sich in Gut und Böse auf, führten nochmals unzählige von Kriegen - Bis schließlich der Frieden einkehrte. Eines Tages jedoch erfährt der gutmütige Zauberer Rohen, dass ein mächtiger Mitstreiter der schwarzen Magie die dunklen Völker im Norden ansammelt, um eine gigantische Armee aufzubauen und den Spieß wieder umzudrehen. Wenn ihm das gelingen würde, könnte er ein Zeitfenster erschaffen und sich zurück in den großen Kampf der Zauberer versetzen, um somit das Ganze nachträglich für sich zu entscheiden. Dies will Rohen natürlich nicht auf sich sitzen lassen, wodurch er den Orden des Erwachens gründet und sich nun selbst auf den Weg in den Norden macht. Doch vorher beginnt das Spiel für euch, er erschafft eure Runengestalt, den Avatar, der ihm helfen soll, sein Land vor den bösen Mächten zu verteidigen.
Ab ins Vergnügen Zunächst könnt ihr euch euren Avatar wie bei einem typischen Rollenspiel, wie zum Beispiel „Dungeon Siege“ oder auch „Diablo (2)“, erstellen. Hierbei stellt ihr die generellen Fähigkeiten wie Weisheit oder Intelligenz und auch das Aussehen ein, den meisten von euch sollte dies aber schon genauestens bekannt sein. Außerdem gibt es noch die Möglichkeit einen vorgefertigten Charakter zu wählen, was wir aber nicht empfehlen können, da diese meist nicht auf eure persönlichen Wünsche eingehen. Nach und nach wird sich euer Charakter dann im Spielverlauf entwickeln und Stufe für Stufe aufsteigen, was auch bitter nötig ist, denn ohne entsprechende Kenntnisse könnt ihr einige gefundene oder gekaufte Zaubersprüche oder auch Waffen gar nicht erst verwenden. Seid ihr fertig, so könnt ihr euch in das Tutorial stürzen, welches allerdings nur bedingt an die Story angelehnt ist. Trotzdem ist es vor allem für Anfänger empfehlenswert, da es wirklich alle Feinheiten aus Rollenspiel und Echtzeit-Strategie erklärt und auch eine enorm umfangreiche Spielzeit für solch eine Spielerklärung enthält.
Viel Inhalt? Neben der monströsen Old-School-Verpackung mit ordentlichem Inhalt (wie zum Beispiel einem Technologie-Baum) erwarten euch in „Spellforce“ unter anderem auch über 100 Stunden Singleplayer-Spaß, dies ist zwar nicht ganz so viel wie in „Knight Shift“, aber immernoch überdurchschnittlich gut. Neben diesem Punkt haben die Entwickler von Phenomic auch noch tiefgehende Features in Sachen Rassen versprochen. Rein von der Anzahl her kann es das Spiel hier auch mit den „ganz Großen“ aufnehmen, denn in „Spellforce“ erwarten euch wie schon erwähnt 6 verschiedene davon (Menschen, Zwerge, Elfen, Dunkelelfen, Trolle und Orks). Leider steckt weniger dahinter als zunächst vermutet, denn insgesamt spezialisiert sich der Aufbau auch hier auf die Standard-Gebäude und einige Ausnahmen pro Rasse. Auch bei den Einheiten sticht nichts großartiges aus der Masse heraus. Wie gewohnt braucht ihr bestimmte Gebäude oder Ressourcen, um spezielle Kämpfer zu produzieren. Einheitenlimits können genau wie Upgrades in diesen Gebäuden erhöht werden. Unnötig viel Zeit geht übrigens beim Aufbauen der Basis drauf. Schade ist vor allem, dass sich dieser Teil des Spiels auch nicht durch eventuelle Buttons beschleunigen lässt. Immer wieder müsst ihr dadurch eure Arbeit nach dem gleichen, langweiligen Schema durchführen: Arbeiter ausbilden, Ressourcen sammeln, Spezialgebäude errichten, Armee ausbilden und schließlich angreifen oder verteidigen. Beim letzteren Punkt fragen wir uns, warum die Entwickler nicht einmal die 08/15-Features eingebaut haben. Einziges Hilfsmittel für die Verteidigung sind Türme, die ihr nicht einmal mit Einheiten wie Bogenschützen verstärken könnt - Mauern oder Zugbrücken werdet ihr vergeblich suchen.
Taktiken und Strategien Selbstverständlich werdet ihr im Laufe des Spiels die verschiedensten Taktiken kennen lernen, da das Spiel insgesamt eher auf den Strategie-Teil ausgelegt ist. Neu ist das sogenannte Click & Fight-System, das es euch ermöglicht, schneller auf den Gegner passende Angriffe auszuführen. Gelungen ist, dass ihr mit den Vorraussetzungen bestimmte Monumente und weitere Runenkrieger herbeirufen könnt, die ihr meistens zum Aufbau der Basis und somit zum erfolgreichen Ende des Quests benötigt. In den Schlachten fällt vor allem die nicht gerade gelungene künstliche Intelligenz von Mitstreitern, Gegnern und NPC’s auf. Es ist einfach nur blöd, wenn die zweite Reihe Krieger zusieht, wie die erste Reihe ihrer Kollegen hilflos abgeschlachtet wird. Nervig sind auch aufblinkende Zahlen, die die Stärke des gerade ausgeführten Schlags anzeigen. Habt ihr gerade eine Massenschlacht am Laufen, so ist außer den vielen Zahlen nicht mehr viel vom Rest zu sehen.
Wundervolle Welten In „Spellforce: The Order Of Dawn“ hat Phenomic auf die bereits aus „Aquanox“ bekannte „Krass“ Grafik-Engine gesetzt. Diese wurde so modifiziert, dass ihr beispielsweise wunderschöne Tag- und Nacht-Wechsel im Spiel betrachten könnt. Außerdem gibt es enorme Zoom-Funktionen: Ihr könnt von der Vogel-Perspektive bis hin zur 3rd Person-Perspektive alles mögliche wählen. Trotzdem ist Erstgenannte für ein Strategie-Spiel immernoch zu nah am Geschehen dran und Letztgenannte macht mit der sogar eigenen Steuerung eigentlich keinen wirklichen Sinn. An sich ist die Grafik aber wunderbar. Euch erwarten Cut-Scenes in In-Game Grafik, die meistens auch noch mit Dialogen gespickt sind. Außerdem gibt es da noch die wundervollen Texturen von Einheiten und Gebäuden und die sehr lebendige Spielwelt. Lediglich die Grafikeffekte kommen nicht so gut rüber, da sie eher unspektakulär und wenig abwechslungsreich gestaltet sind. Sehr nervig ist, dass das Spiel generell ein wenig ruckelig läuft und grobe Design-Probleme am Rand der jeweiligen Karten. Hier erwarten euch Texturen mit meist nur einem Farbton, was sehr hässlich aussieht, da es erstens überhaupt nicht zur sonstigen Präsentation passt und zweitens auch so sehr schlimm aussehen würde. Der Sound hingegen ist dem Team rund um Volker Wertich einwandfrei gelungen. Der atmosphärische Soundtrack, die guten Soundeffekte, gepackt in tolle Sprachausgabe schaffen ein harmonisches Zusammenspiel. Das Einzige, was es hier zu kritisieren gibt, ist die Unterstützung von Dolby Surround, die auf unserem Testrechner nicht einwandfrei verlief.
Pro - Viele Stunden an Spielspaß - Wundervolle Texturen - Viele Zoom-Stufen bis hin zur 3rd Person-Perspektive - Gelungene Sprachausgabe - Epische Hintergrundmusik - 6 Völker - Neues Genre RPS noch weiter verfeinert - Einige innovative Features (Zum Beispiel Click & Fight-System)
Contra - Altbekannte Story - Einige Grafikfehler - Generell ein wenig ruckelig - Lange Ladezeiten - Eher mäßiger Multiplayer-Modus - Relativ dumme KI - Nicht der erhoffte Umfang an Gebäuden, Einheiten, etc.
Fazit Warum haben sich die Entwickler von Reality Pump und Phenomic nicht zusammengesetzt und ein einheitliches Spiel aus „Knight Shift“ und „Spellforce“ gemacht? Jetzt haben wir hier 2 halbe Portionen, die sich gegenseitig konkurrieren. Trotzdem ist auch „Spellforce“ ein gelungenes Spiel mit einigen kleinen Fehlern und Unstimmigkeiten, ohne die ein TopGame-Award sicher drin gewesen wäre.
AUTOR: Carsten 07.12.2003, 23:04h
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