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Mit dem neuen „Samurai Warriors“ verlagerten die Entwickler storytechnisch die bewährte Spielmechanik aus dem China der frühen Kaiserzeit hinein in das feudale Japan, in welchem der Dämonenherrscher Nobunaga sein Unwesen treibt. Dank einiger komplett neuer Spielelemente präsentiert sich das Schlachtenspektakel in einem ungewohnt erfrischenden Gewand und besitzt auch deshalb das Potenzial, neue Käuferschichten abseits der KOEI-Fangemeinde zu erschließen. Doch wie sich das Spiel von Publisher Electronic Arts wirklich schlägt, erfahrt ihr nun in unserem Review.
Taktik gefragt In der Rolle eines von vorerst fünf anwählbaren Kriegern (weitere sind freispielbar) stellt ihr euch im Story-Modus auf ausgeprägten Schlachtfeldern zahlreichen Bedrohungen in Form von verfeindeten Clans und Armeen entgegen. Jeder der Protagonisten verfügt dabei über eine eigene, non-lineare Geschichte, welche sich in der Regel über fünf Spielabschnitte erstreckt. Mit dabei ist auch die attraktive Co-Op-Variante, in welcher ihr euch gemeinsam mit einem Mitspieler im Splitscreen der Gegnermassen erwehrt. Auf dem Schlachtfeld selbst macht sich sogleich das komplett neue „Active Mission System“ äußerst positiv bemerkbar: In „Samurai Warriors“ werdet ihr dank dieses neuen Konzepts über weite Strecken „bei der Hand“ genommen. Abhängig vom Verlauf einer Schlacht gilt es, mehrere dynamisch generierte Missionsziele zu erfüllen, die während des Spiels in der rechten unteren Bildschirmhälfte eingeblendet werden. So müssen beispielsweise strategisch wichtige Schlüsselorte eingenommen oder ein gegnerischer General am Rückzug vom Schlachtfeld gehindert werden. Die Erfüllung dieser Missionen ist dabei in den meisten Fällen freiwillig - Je nachdem, ob einer der Aufträge erfüllt wurde oder nicht, verläuft das weitere Geschehen innerhalb eines Spielabschnitts möglicherweise komplett anders und kann sogar inhaltliche Auswirkungen auf noch folgende Schlachten sowie viele Storyverzweigungen haben. Insgesamt umfasst „Samurai Warriors“ die stolze Summe von mehr als 500 (!) solcher Missionen - Um auch nur ansatzweise alle Aufträge gesehen zu haben, muss das Spiel mit jedem einzelnen der fünfzehn Hauptcharaktere gleich mehrfach durchgespielt werden. Für eine gewaltige Langzeitmotivation ist also schon allein aufgrund dieses neuen Systems hinreichend gesorgt.
Immer schön den Überblick behalten Eine tolle Sache sind die Burg-Karten, die an bestimmten Punkten des Story-Modus zum Einsatz kommen und bis auf wenige Ausnahmen jedes Mal aufs Neue zufällig generiert werden. Dabei gilt es meist, eine vorgegebene Anzahl an Burgetagen in einem festgelegten Zeitlimit zu absolvieren. Dies wird insbesondere durch die Tatsache erschwert, dass das Layout einer Burg anfangs nicht auf einer eingeblendeten Map einsehbar ist, sondern sich erst durch das zügige Erforschen eines Abschnittes erschließt. Die einzelnen Burgmaps werden nicht nur von unzähligen Feinden bevölkert, sondern konfrontieren den Spieler auch mit einer Vielzahl von Gefahren wie Stachelgruben, Guillotinen oder Speerfallen. Das Burgen-Element sorgt im Spiel für erhöhte Abwechslung, wirkt dabei aber ein bisschen bemüht und aufgesetzt. Leider bringen die zufallsgenerierten Levels auch das mit sich, worunter viele Spiele mit zufällig erstellten Maps leiden: Es wird schon früh recht vorhersehbar und eintönig.
„Level-Up“ Auch in anderen Spielaspekten ruhten sich die Entwickler nicht aus: Das Charakteraufbau-System präsentiert sich sehr tief greifend. Dabei ist die Einbindung von Erfahrungspunkten, welche unter anderem für den erfolgreichen Abschluss von Missionen vergeben werden, eine höchst willkommene Neuerung. Auf Grundlage der gesammelten Erfahrungspunkte steigt die Spielfigur im Rang kontinuierlich auf, was eine stete Aufwertung der insgesamt neun Grundattribute des jeweiligen Kriegers nach sich zieht. Darüber hinaus verfügt jede Spielfigur über bis zu vierzig, teils charakterindividuelle Fertigkeiten, welche nach und nach erlernt werden können. Die unterschiedlichen Fertigkeiten sind dabei auf Baumdiagramme verteilt, welche nochmals in vier verschiedene Kategorien gegliedert sind. Um wiederum diese speziellen Attribute ausbilden zu können, werden die sogenannten Fähigkeitspunkte benötigt; diese werden am Ende einer jeden Schlacht basierend auf einer in vier Unterpunkte unterteilten Bewertung im Schulnotensystem ermittelt. Die Wertungsanalyse umfasst dabei die absolvierte Spielzeit, die Menge der gesammelten Objekte, die Anzahl der durch Musou-(Spezial-)Angriffe eliminierten Gegner und abschließend die Erfolge in den Untermissionen einer Map.
„Fight“ Nun zu den Angriffen. Zentral sind dabei die Elementarangriffe mit entsprechend ausgestatteten Waffen zu nennen: Diese müssen ebenfalls zunächst mittels Fähigkeitspunkten erlernt werden, danach können sie in einer Schlacht via vorgegebenen Tastenkombinationen ausgelöst werden - vorausgesetzt, ihr verfügt zudem über eine volle Musou-Anzeige. Die Musou-Energie lässt sich natürlich auch wieder zum Einsetzen der brachialen Musou-Angriffe nutzen. Cool ist hierbei die “wahre“ Musou-Attacke, welche um ein vielfaches verheerender ist als der einfache Musouangriff. Sie wird ausgelöst, indem ihr im exakt selben Moment, in welchem das eigene Musou seinen Maximal-Stand erreicht, die entsprechende Taste drückt. Auch die Clinch-Situationen mit gegnerischen Generälen sind nun in ihrer Konsequenz etwas weitreichender: Geht ihr aus einem Patt als eindeutiger Sieger hervor, wird eine automatische Combo aktiviert, welche nicht nur gut aussieht, sondern auch die Lebensenergie des jeweiligen Gegners deutlich dezimiert. Die Steuerung der Figur ist während des Dauergemetzels erneut angenehm intuitiv - Für besonders wirkungsvolle Sturmangriffe ist jedoch Auswendiglernen angesagt.
Nimm den „Knüppel“ zur Hand Die für einen Charakter zu sammelnden Gegenstände machen in „Samurai Warriors“ einen großen Teil der Motivation aus: Für jede Spielfigur gibt es fünf ansteigend seltenere Waffen zu ergattern, wobei die jeweils vierte und fünfte Waffe wie gehabt die Erfüllung von besonderen Bedingungen im Schlachtenverlauf erfordert. Ausrüstbare Gegenstände gibt es derer diesmal insgesamt dreißig, wobei bereits über die Hälfte dieser Items als eher selten einzustufen ist. Die meisten zu sammelnden Items werden von besiegten Offizieren hinterlassen - andere wiederum sind in versteckten Behältnissen wie Fässern und Truhen zu finden oder werden für besondere Leistungen vergeben. Wie gehabt könnt ihr euren Offizier vor jeder Schlacht mit bis zu fünf Hilfsgegenständen ausrüsten.
Die Play-Modi Die Modi-Palette von „Samurai Warriors“ umfasst neben der Zweispieler-Variante auch einem netten Survival-Modus und den standesgemäßen Freimodus, in welchem ihr die verschiedenen Maps und Szenarien einzeln anwählen könnt. Auch wiederholt einen Create-Modus, der das Erstellen eines neuen Offiziers ermöglicht. Um den eigenen Helden aber in die großen Schlachten schicken zu dürfen, müsst ihr dieses Mal zunächst eine zwölfmonatige Trainingseinheit unter der Obhut eines Samurai-Meisters durchlaufen. Am Ende des Ausbildungsjahres kommt es zu einer Abschlussprüfung, in welcher ihr zwei aus sechs unterschiedlichen Aufgaben bestehen müsst, darunter Bogenschießen und Combo-Nahkampf. Der Haken an der Sache ist, dass während des gesamten Create-Modus keine Speichermöglichkeit besteht, sodass ihr die ganze Ausbildung bei Nichtbestehen der Abschlussprüfung erneut durchlaufen müsst - Und die Prüfungen sind wahrlich alles andere als kinderleicht. Habt ihr euch aber erst einmal durch diese kleine „Tortur“ gequält, dürft ihr euch über ein komplett neues Spielszenario speziell für kreierte Spielfiguren freuen.
Augen auf In Sachen Grafik haben es die Jungs von KOEI in „Samuari Warriors“ tatsächlich geschafft, die vorherrschenden Nebenwände auf ein annehmbares Minimum zu beschränken. Dementsprechend besser ist auch die Weitsicht: Nicht ganz so oft „ploppen“ Gegner unvermittelt vor euch in das Bild. Ansonsten spielt die schon recht betagte Grafik ihre Stärken aus: Gleißende Waffeneffekte, schicke Animationen und eine konstant hohe Auflösung zeugen von der routinierten Arbeit der Entwickler. Leider es gibt kaum Renderfilmchen zu bewundern. In hoher Zahl vertreten sind aber die unzähligen Sprachsamples. „Samuari Warriors" läuft zwar mit einer merklich professionelleren Sprachausgabe auf; dennoch sorgt die unfreiwillige Komik der gesprochenen Textzeilen hier für ein irritiertendes Schmunzeln. Musikalisch haben sich die Entwickler dieses Mal ein wenig in die elektronische Ecke orientiert: Den gewohnten Gitarren-Sound werdet ihr vergebens suchen. Trotzdem passt der zunächst etwas eigentümlich anmutende Soundtrack gut zum Spielgeschehen.
Pro - Gewaltiger Spielumfang - Innovatives „Active Mission-System“ - Leicht erlernbare Spielmechanik - Netter RPG-Einschlag - Tolles Charakterdesign - Nette Multiplayermodi
Contra - Nicht ganz ausgereifte Burgen-Abschnitte - Schwerer Create-Modus - Kann auf längere Sicht hin etwas eintönig werden - Etwas angestaubte Grafik - Verbesserungwürdige KI
Fazit Obwohl in der sinnvollen Idee sind die neuen zufallsgenerierten Burgstages leider schon nach kurzer Zeit arg vorhersehbar ausgefallen. Auch der „knüppelharte“ Create-Modus ist aufgrund der fehlenden Speichermöglichkeit noch überarbeitungswürdig. Abgesehen davon erwartet den Spieler ein gewohnt überragender Umfang, tolles Charakterdesign und die leicht zugängliche Spielmechanik. Der verstärkte Fokus auf RPG-Elemente setzt der Langzeitmotivation noch einen drauf - Für wochenlangen Spielspaß ist hier hinreichend gesorgt. „Samurai Warriors“ ist unserer Ansicht nach sehr gut gelungen.
AUTOR: Azam 24.07.2004, 23:57h
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