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Wir hatten nun die Möglichkeit, die Hamburger Entwickler von Master Creating in folgendem Interview mit (euren) Fragen zu ihrem aktuellen Projekt „Restricted Area“ und anderen Dingen zu löchern. Dabei stand uns der Creative Director Jan Beuck zur Verfügung und es kamen teilweise interessante Informationen heraus, welche wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen. Am Ende des Interviews erwartet euch übrigens noch ein nettes Special, welches einigen von euch schon aufgefallen sein dürfte.
GamesEcke: Hallo. Vielen Dank, dass du dir Zeit für dieses Interview genommen hast. Stell dich unseren Lesern doch bitte kurz vor. Jan: Hallo, mein Name ist Jan Beuck und ich bin Creative Director bei Master Creating. In erster Linie kümmere ich mich um die grafische Gestaltung, sozusagen das „Look and Feel“ des Spiels. Bei „Restricted Area“ heißt das zum Beispiel mit einem Architekten zusammen eine Stadt für das Jahr 2083 zu entwerfen, Mutanten zu entwickeln und die Hauptfiguren einzukleiden - aber auch die Videosequenzen zu planen, die "Dungeons" zu designen und Details wie futuristische Autos oder Raumgleiter zu skizzieren.
GamesEcke: Sage doch bitte kurz etwas zur Storyline. Jan: 2083. Als Ergebnis der katastrophalen Umweltverschmutzung ist ein Großteil der Erdoberfläche nun von den sogenannten Wastelands bedeckt: Verseuchte Wüsten voller Ruinen und Bunker, in denen - wenn überhaupt etwas - nur Mutanten leben. Die einzigen Ausnahmen sind die Ozeane und die Städte, die immer größer wuchsen und sich zu gigantischen Megacitys zusammengeschlossen haben. Smog bedeckt die Atmosphäre über diesen Riesen, und das fahle Licht wird nur hier und da von bunten Werbeprojektionen und Laternen durchbrochen. Die Technik ist weit fortgeschritten - kybernetische Implantate (Cyberware) und genetisch verbesserte Organe (Bioware) sind in der Lage das meiste externe Equipment zu ersetzen, und können gekauft werden um die eigenen Fähigkeiten zu verbessern - weit hinaus über die Grenzen eines normalen Menschen. Wo einst mächtige Nationen die Erde regierten sollte nun eine globale Regierung herrschen, doch diese globale Regierung ist schwach - schwach verglichen mit den gigantischen Multikonzernen. Diese Konzerne haben ihr eigenes Rechtssystem etabliert. Diejenigen, die ihre Souveränität akzeptieren werden von ihnen beschützt, aber die Ausgestoßenen, die Dissidenten und die Rebellen werden ausgenutzt und missbraucht, einer Regel folgend die seit Anbeginn der Zeit zwischen den Schwachen und den Starken herrscht. Auf der anderen Seite sind es gerade diese von der Gesellschaft Ausgestoßenen, die die Konzerne brauchen, wenn es etwas zu tun gibt, bei dem sie sich sonst selbst die Hände schmutzig machen würden. Und obwohl keiner dieser Gesetzlosen in irgendeiner Datenbank verzeichnet ist, ist die Nachfrage nach ihren Diensten so hoch wie nie zuvor. Manche sind Computerexperten, die wie ein Wispern durch die visualisierten Datenbanken der Konzerne gleiten und dabei das einzige von echtem Wert stehlen: Information. Andere wiederum sind Ex-Soldaten, gerüstet mit schweren Waffen aus alten Militärbeständen und synthetisch erhöhten Reflexen. Um Ihre Geheimnisse vor diesen Kriminellen zu schützen, die sie für gewöhnlich für andere Konzerne stehlen, haben die Megakonzerne riesige unterirdische Festungen weit draußen in den Wastelands erbaut. Und da dort nur das Konzernrecht gilt, sind diese Zonen allgemein bekannt als „Restricted Area“.
GamesEcke: „Restricted Area“ weist einige Ähnlichkeiten zu „Diablo 2“, „Baldur’s Gate“, sowie dem noch in Entwicklung befindlichlem “Space Hack” auf. Habt ihr euch von diesen Titeln oder anderen dieser Art inspirieren lassen? Jan: Ja und nein. “Diablo 2” hat in Hinblick auf die Steuerung und das allgemeine Gameplay sicherlich einiges beigetragen. Mit Spielen wie “Baldur´s Gate” haben wir in erster Linie das Dialogsystem gemeinsam – statt sich Monologe anzuhören, kann man antworten geben und somit Einfluss auf das Gespräch und die weitere Geschichte nehmen. Mit Spielen wie “Space Hack” hat “Restricted Area” nichts zu tun, außer vielleicht, dass es auch in einem Science-Fiction-Szenario spielt.
GamesEcke: Wie lange entwickelt ihr schon “Restricted Area”? Jan: Seit etwas mehr als 2 Jahren.
GamesEcke: Wie seid ihr auf die Idee des etwas ungewöhnlichen Szenarios gekommen? Jan: In erster Linie durch das Pen-and-Paper-Rollenspiel “Shadowrun”, das wiederum stark von William Gibson´s Büchern (“Neuromancer”) beeinflusst ist. Aber auch Filme wie “Bladerunner”, “Terminator 2” und der erste “Matrix” haben eine Menge beigetragen.
GamesEcke: Welche Engine verwendet ihr? Jan: Wir verwenden die “IRIS”-Engine, die wir extra für “Restricted Area” entwickelt haben. Dafür gibt es viele Gründe – zum einen machen wir am liebsten alles aus einem Guss, zum anderen gab es bisher für isometrische Spiele keine vernünftigen Engines zu lizensieren.
GamesEcke: Wie lang werden sich die Durchschnittspieler wohl mit “Restricted Area” beschäftigen können? Jan: Hunderte von Stunden. Die Level sind alle komplett zufallsgeneriert und es gibt unendlich viele, ebenfalls vom Computer generierte Nebenquests. Für die Hauptstoryline, die je nach gewähltem Charakter etwas anderes verläuft und für jeden zwei unterschiedliche Enden bereithält, wird man pro Weg, je nachdem wie gut man spielt, 15-20 Stunden benötigen.
GamesEcke: Es gab kürzlich viel hin und her in Sachen Publishing. Inzwischen habt ihr einen Neuen gefunden. Wer ist das und seid ihr mit ihm zufrieden? Wann wird “Restricted Area” erscheinen? Jan: Das stimmt. In Deutschland übernimmt VIDIS (“UFO: Aftermath”, “Korea: Forgotten Conflict” etc.) den Vertrieb und damit sind wir natürlich sehr zufrieden, sonst hätten wir VIDIS nicht ausgewählt. Wenn alles klappt wird “Restricted Area” im Spetember erscheinen.
GamesEcke: Wie sieht es in Sachen Community aus? Hat “Restricted Area” einen Multiplayer? Wenn ja, sage doch bitte kurz etwas dazu. Plant ihr eventuell auch ein Modkit herauszugeben? Jan: Es gibt einen Multiplayer Modus (kooperativ, über Netzwerk und Internet), in den wir sehr viel Zeit investieren, da er uns besonders wichtig ist. Wir planen auch ein Modkit – wie umfangreich das sein wird, steht aber noch nicht fest.
GamesEcke: Wie sieht es eigentlich mit der Sounduntermalung von “Restricted Area” aus? Wie viel Zeit und Aufwand steckt darin? Und wie sieht es mit der Sprachausgabe aus? Jan: Die Soundeffekte wurden von TODD/SOUNDELUX produziert, einem großen Tonstudio in Hollywood, das unter anderem einen Oscar für “Braveheart” bekommen hat. Wir verwenden zum Teil sogar Orginalmaterial aus Filmen wie “Terminator 2”! Die Musik stammt von einer populären Gruppe, deren Namen ich aber noch nicht bekanntgeben darf. Die Sprachausgabe gehört ohne Zweifel zum Besten, was es bisher gibt. So sind unter anderem sind die deutschen Stimmen von Arnold Schwarzenegger, Angelina Jolie, Alica Silverstone und Jet Li zu hören!
GamesEcke: Hat sich die USK “Restricted Area” schon angeschaut? Welche Freigabe peilt ihr an? Wie wird der Titel promoted werden? Bekommen wir eventuell sogar einen Fernsehspot zu sehen? Jan: Die USK kriegt frühestens die Beta zu sehen – alles andere würde keinen Sinn machen. Wir peilen ab 16 an, würden uns aber über ab 12 freuen und an ab 18 nicht stören. Wir machen das Spiel so, wie wir es für richtig halten – die USK kann dann entscheiden welche Altersgruppen es sich illegal besorgen müssen ;-). Aber im Ernst: Eine Nichteinstufung (wie zum Beispiel bei “Far Cry”) halte ich für ausgeschlossen. Auch ab 18 ist meiner Meinung nach sehr unwahrscheinlich. Wir werden das Spiel natürlich mit allen Mitteln promoten – in der nächsten Ausgabe der GameStar soll es einen längeren Artikel geben. Werbung wird natürlich auch geschaltet, aber in welchem Ausmaß kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.
GamesEcke: Wenn ihr auf eure bisherige Arbeit zurückblickt. Worauf seid ihr besonders stolz? Jan: Ich bin stolz darauf, dass wir von Anfang an das Projekt geglaubt und auch in schwierigen Zeiten nicht aufgegeben haben. Besonders stolz bin ich auf die Synchronisation, auf die Leistungen meiner Kollegen und auf das Gesamtwerk, das einfach mit jedem Tag noch besser wird und mich immer wieder motivert, bis spät in die Nacht mein Bestes zu geben (Es ist jetzt 03 Uhr 16) ;-).
GamesEcke: Was plant ihr für die Zukunft? Einen Nachfolger, vielleicht ein Add-On oder sogar etwas völlig Neues? Jan: Noch ist alles möglich! Add-On und Nachfolger hängen natürlich in erster Linie vom Erfolg ab – je erfolgreicher “Restricted Area” ist, desto wahrscheinlich ist auch eine Fortsetzung. Aber auch ein völlig neues Projekt würde mich reizen – zum Beispiel ein Echtzeit-Strategiespiel...
GamesEcke: Was sagst du zur Entwicklung der deutschen Spielebranche und warum hinken wir trotz einiger Top-Entwickler-Teams immernoch etwas hinter dem internationalen Markt? Jan: Das hat viele Gründe. Zum Beispiel kommen die großen Publisher alle aus den USA oder Frankreich – und investieren aufgrund der räumlichen Nähe und dem Wegfall der Sprachbarriere lieber in ihre einheimischen Studios. Dies hat zur Folge, dass diese mehr Geld haben, bessere und mehr Leute beschäftigen und somit oft auch bessere Produkte machen können – was wiederum dazu führt, dass die großen Publisher lieber in diese bereits erfolgreichen Studios investieren. Außerdem gibt es in vielen Ländern Fördergelder für Studios (in Montreal sind Spielestudios beispielsweise komplett steuerbefreit!) – in Deutschland werden wir vom Staat eher behindert als unterstützt – zum Beispiel durch die BPjM. Dazu kommt, dass die Amerikaner eher wissen, was Amerikaner möchten – und Amerika ist der größte Markt. Die in Deutschland recht beliebten Aufbauspiele (“Anno”, “Siedler”, “Wiggles”, “Port Royale” etc.) kommen dort zum Beispiel überhaupt nicht an. Aber es liegt auch an den Entwicklern selbst: Statt zu gucken, was die Spieler möchten, versuchen viele in erster Linie ihre zum Teil recht eigenwilligen künstlerischen Vision zu verwirklichen – und das geht natürlich nur in den seltensten Fällen gut. Ich will damit nicht sagen, dass man sich selbst verkaufen soll – aber man muss Kompromisse machen und zum Beispiel auch Komfortfunktionen einbauen, die man selbst nicht für unabdingbar hält. Außerdem ist Deutschland durch das hohe Lohnniveau, die Lohnnebenkosten und die hohen Steuern so teuer, dass Angestellte für kleine Unternehmen fast unbezahlbar sind. Und die möchten dann meistens auch geregelte Arbeitszeiten von 10 bis 17 Uhr, während es in Ländern wie Russland normal ist auch mal bis 3 Uhr Nachts zu arbeiten, wenn es gerade sein muss. Ich möchte das nicht kritisieren, aber so ist es eben. Das Hauptmanko der meisten deutschen Spiele ist aber die Inkonsistenz – einige Aspekte sind super umgesetzt, die Ideen sind großteils hervorragend und kreativ – aber ein paar wirklich grobe Schnitzer versalzen die Suppe. Da sind die amerikanischen, meist insgesamt mittelmässigen Spiele, die weder große Stärken noch großartige Schwächen haben wohl leider besser, weil sie insgesamt “rund” wirken. Deshalb ist es uns auch besonders wichtig, die durch die letzte Verschiebung gewonnene Zeit zu investieren, um konsequent alle Kritikpunkte auszubügeln und ein wirklich rundes Spielerlebnis zu bieten.
GamesEcke: Was würdet ihr Leuten empfehlen, die selbst gern in dieser Branche tätig wären? Wie kommen unsere User am Besten an einen Job als Spieleentwickler? Jan: Kommt auf den Bereich an (Grafiker, Programmierer, etc). Als Gamedesigner einzusteigen kann man glaube ich vergessen – das ist ein Job, für den man wirklich Erfahrung braucht und an den man sich über Jobs als Beta-Tester oder Gamedesigner-Assistent herrantasten sollte. Was die anderen Zweige angeht: Auch wenn viele was anderes erzählen, bin ich davon überzeugt, dass nur das eigene Talent zählt. Viele, die Informatik studiert haben, können einen Computer kaum ohne fremde Hilfe an- und ausstellen. Wir wählen unsere Mitarbeiter ausschließlich nach dem aus, was sie bisher gemacht haben – und das müssen nicht einmal zwingend Spiele oder kommerzielle Projekte sein! Wer zum Beispiel nach einer Vorlage eine Figur perfekt modellieren, texturieren und animieren kann, sodass wir sie einsetzen können, muss weder Kunst noch Grafikdesign studiert haben. Aber Schaden tut es natürlich auch nicht ;-).
GamesEcke: Willst du sonst noch etwas loswerden? Jan: Klar, besucht doch einfach mal unser Forum. Dort habt ihr die Möglichkeit mit anderen “Restricted Area”-Fans zu reden und mir eure eigenen Fragen zu stellen!
GamesEcke: Vielen Dank, dass du dir Zeit für uns und unsere Leser genommen hast und entwickelt im Team fleißig weiter.
Als kleines Special für euch haben wir noch 2 exklusive Screenshots ergattern können, die ihr bei uns in der Gallerie findet. Dort wurden auch einige Bilder von der offiziellen Website aufgenommen.
AUTOR: Jan F. (Flint) 21.04.2004, 15:57h
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