|
Die tschechische Version von „Black Mirror: Der Dunkle Spiegel Der Seele“ ist bereits seit einiger Zeit im Handel und wird in Fachkreisen hier und da hochgelobt. Nun ist auch die von den Entwicklern von Unknown Identity und Publisher dtp als „weltbeste“ angepriesene deutsche Version im Handel erhältlich. Euch erwartet hierbei ein gruselorientiertes, aber trotzdem klassisches 3D-Point & Click-Adventure, welches aufgrund von neuesten technischen Finessen einen unglaublich guten Eindruck macht - So oder Ähnlich wurde das Spiel zumindest im Vorfeld beschrieben. Ob die Vorschusslorbeeren des Adventures letztendlich gerechtfertigt waren, erfahrt ihr nun bei uns im Test.
Eine tiefsinnige Verschwörung Ihr übernehmt die Rolle des Hauptcharakters Samuel Gordon, der nach 12 Jahren Abwesenheit wieder zum uralten Familien-Schloß „Black Mirror“ zurückkehrt, wo er den Großteil seines bisherigen Lebens verbracht hat. Eigentlich wollte er seit dem schlimmen Tod seiner Frau nie wieder zu diesem Ort, doch selbiger seines geliebten Großvaters William Gordon hat ihn dazu gezwungen, vor allem, da alle Familienmitglieder und Freunde denken, dass William Selbstmord begangen hat. Samuel hingegen beginnt unter eurer Kontrolle mit den Nachforschungen und macht mysteriöse Erfahrungen, die teilweise sogar tief in das Mittelalter und die Entstehungsgeschichte des Schlosses und der Familie hinführen. Erinnerungen werden wach und scheinbar hat sich auf dem Schloss seit seinem Weggang nichts mehr geändert. Außerdem verzwickt sich die Lage immer mehr, wodurch sich Samuel teilweise auch selbst in Gefahr bringt. Es liegt also an euch, das Rätsel (gespickt mit vielen düsteren Zwischensequenzen) um den mysteriösen Tod des Großvaters und noch mehr aufzulösen.
Auf dem Weg ins Ungewisse Nach dem hübschen Intro und der Ankunft auf „Black Mirror“ macht ihr euch also wie in einem typischen 3D-Point & Click-Adventure auf den Weg, das „mysteriöse Ungewisse“ aufzuklären. Dabei ist das Spiel eine Mischung aus einem Detektiv- und einem Horror-Adventure, da beide Möglichkeiten häufig genutzt werden (müssen). Dies macht sich schon gleich bei eurer düsteren Ankunft auf „Black Mirror“ bemerkbar, wo ihr erst einmal mit den dort ansässigen und teilweise sehr merkwürdigen Personen und der Steuerung vertraut gemacht werdet. Letztgenannte ist sehr einfach und gewohnt gehalten, da ihr das komplette Spiel mit der Maus steuert. Je nach Gegenstand oder Interaktionsmöglichkeit verändert sich dann der Mauszeiger und ihr könnt Samuel den gewünschten Befehl durchführen lassen. So macht ihr euch also auf den Weg, sammelt für euch wichtige der hunderten Gegenstände und sprecht außerdem wie schon ebenfalls erwähnt mit über 20 NPCs (Non-Playing Characters). Interessant ist, dass ihr die Dialoge und somit auch den weiteren Spielverlauf teilweise sogar beeinflussen könnt, indem ihr eine positive oder eben negative Antwort gebt. Solltet ihr den klassischen Fehlstart fabrizieren und anfangs überhaupt nicht weiterkommen, so hat euch wiederum Publisher dtp ausgeholfen, denn im Handbuch findet ihr die Lösungsschritte für die gute 1 Stunde Spielspaß, damit ihr euch später auch wirklich nicht mehr verirrt und euch optimal in die Welt und die wirklich tolle Storyline einlebt. Schade ist lediglich, dass „Black Mirror“ kein Logbuch enthält. Längere Spielpausen sollten also tabu sein, da ihr ansonsten bestimmt nicht mehr wisst, was zu tun ist.
Breitgefächerte Areale „Black Mirror“ ist an sich in 6 Kapitel unterteilt, die im Zusammenhang rund 30-40 Stunden unheimlich spanneden Spielspaß bieten, der sich von der Atmosphäre her ebenfalls auf höchstem Niveau befindet. Dabei kommt ihr ganz schön in der Welt (vor allem aber in Großbritannien, wo das Spiel vor knapp 20 Jahren heutiger Zeit spielt) herum, sodass ihr gegen Ende insgesamt 120 Räume von Leichenhallen über Kirchen bis hin zu Restaurants/Pubs in den unterschiedlichsten Locations besucht habt. Allerdings erwarten euch neben dem Alltagstreiben vor allem gegen Ende des Spiels viele Rätsel, die es mit menschlicher Logik und Wissen zu knacken gilt. Diese sind zwar sehr abwechslungsreich, aber auch nicht immer einfach, wodurch ihr auch ab und zu einmal etwas länger daran sitzen könntet. Eine nette Erfahrung werdet ihr sicherlich auch an Stellen machen, wo es gefährlich ist, denn hier kann euer Held Samuel wirklich sterben. So hat er bei uns beispielsweise etwas ungeschickt an ein offenes Stromkabel gegriffen oder sich (warum auch immer) selbst mit einer Waffe erschossen. Ab und an solltet ihr also auch speichern, damit ihr auch von den wenigen Bugs nicht abgeschreckt werdet. So kann es zum Beispiel passieren, dass bei einer Gegenstandsübergabe plötzlich der Mauszeiger verschwindet. Ein kleiner Patch wäre hier sicherlich angebracht.
Das letzte Stück für die perfekte Atmosphäre... ...ist ganz klar die Technik, welche in „Black Mirror“ wirklich vorbildlich gut gelungen ist. Vor allem die eben erwähnten unterschiedlichen Locations sind allesamt wunderschön und belebt. Außerdem strotzen sie nur so vor Details: 3D-Point & Click der Extra-Klasse. Für die tollen und in diesem Genre sehr ungewohnten Effekte wie Wetter, Tag- und Nacht-Wechsel oder Licht- und Schatteneffekte für noch mehr Grusel-Atmosphäre sorgt das sogenannte „Environmental FX“, welches diese unabhängig von der eigenen Game-Engine anzeigen kann. Auch die Texturen können sich genau wie die schon erwähnten Videosequenzen wirklich sehen lassen. Leider könnt ihr auch hier keinerlei Einstellungen vornehmen und die Animationen wirken etwas sehr langsam und holzig. Das Ziel, diese so menschlich wie möglich zu machen, ist denn Entwicklern leider kaum gelungen. Beim Sound hingegen haben wir überhaupt nichts zu meckern. Euch erwarten astreine Musik, die sich jeweils der Szene anpasst, sowie wirklich realitätsnahe Soundeffekte. Auch die Sprachausgabe ist, wie wir es mittlerweile von „Adventure-Publisher“ dtp gewohnt sind, sensationell. Satte 6 Stunden Dialoge von den original deutschen Synchronstimmen von Hollywood-Stars wie Johnny Depp erwarten euch im besten Falle. Auf Wunsch gibt es das Ganze natürlich auch in Dolby-Surround.
Pro - Tiefsinnige und unheimlich spannende Story - Tolle Atmosphäre - Mix aus Detektiv- und Horror-Adventure - Gelungene Steuerung - Nette Filmsequenzen - Hunderte Gegenstände und über 20 NPCs helfen euch bei der Aufklärung weiter - Kleine „Starthilfe“ von Publisher dtp im Handbuch - Massig Locations mit über 120 abwechslungsreichen betretbaren Räumen - Tolle Grafik- und Sound-Effekte - Scharfe Texturen - Insgesamt 6 Stunden geniale Sprachausgabe
Contra - Kein Logbuch - Logische, aber recht knackige Rätsel - Ein paar Bugs und „Sterbe-Möglichkeiten“ - Eher hölzern langsame statt menschliche Animationen
Fazit So etwas haben wir bei der Ankündigung nun wirklich nicht erwartet: „Black Mirror: Der Dunkle Spiegel Der Seele“ ist besser als ein guter Horror-Film, spannender als ein Krimi und schöner als alle anderen derzeitig erhältlichen Adventures von dtp. Für jeden Genre-Fan unter euch ist es also trotz einiger Mängel ein Muss. Letztgenannte haben es allerdings geschafft, dass wir dem Spiel nicht unseren begehrten TopGame-Award verleihen. Trotzdem, bei solch einer Wertung könnt ihr doch eigentlich nur zugreifen oder?
AUTOR: Carsten 01.05.2004, 23:59h
|